Steuerberater in Italien: Warum der Dottore Commercialista Ihr Ansprechpartner ist

Aktualisiert: 3. Okt.
Kurz zusammengefasst
Wer in Italien einen Steuerberater sucht, stößt schnell auf ein Problem: Den Beruf „Steuerberater“ im deutschen Sinne gibt es dort nicht. Der zuständige Ansprechpartner für Steuern, Immobilien und Unternehmen ist der Dottore Commercialista – ein staatlich geprüfter, in einer Berufskammer eingetragener Freiberufler. Für Deutsche mit Immobilie, Wohnsitz oder Einkünften in Italien ist ein deutschsprachiger Dottore Commercialista deshalb die richtige Adresse.
Viele Deutsche, die eine Immobilie in Italien kaufen, dorthin ziehen oder Einkünfte aus Italien beziehen, geben bei Google „Steuerberater Italien“ ein – und finden wenig Passendes. Das liegt nicht an fehlenden Experten, sondern an der Berufsbezeichnung. Dieser Beitrag erklärt, wer in Italien die Aufgaben eines Steuerberaters übernimmt, woran Sie einen qualifizierten Berater erkennen und welche Fehler Sie bei der Suche vermeiden sollten.

Gibt es in Italien einen Steuerberater?
Nicht unter diesem Namen. In Deutschland ist „Steuerberater“ ein geschützter Titel mit eigenem Berufsgesetz. Italien kennt keinen Beruf, der genau so heißt und genau so geregelt ist. Die Aufgaben, die in Deutschland ein Steuerberater übernimmt, erfüllt in Italien vor allem der Dottore Commercialista.
Daneben bieten in Italien auch andere Personen steuerliche Dienstleistungen an: Steuerbeistandszentren (CAF) für einfache Steuererklärungen, Rechtsanwälte im Steuerrecht oder sogenannte „consulenti fiscali“ und „tributaristi“, deren Bezeichnung gesetzlich nicht geschützt ist. Für deutsche Mandanten mit Immobilie, Vermietung oder grenzüberschreitenden Einkünften ist der Dottore Commercialista in der Regel der umfassendste Ansprechpartner.
Wie heißt Steuerberater auf Italienisch?
Die wörtliche Übersetzung wäre „consulente fiscale“. Dieser Begriff ist in Italien jedoch frei verwendbar und sagt nichts über die Qualifikation aus. Wer einen qualifizierten Berater sucht, sollte deshalb nach einem Dottore Commercialista fragen – kurz „commercialista“ – und auf die Eintragung im Berufsregister (Albo) achten.
Was ist ein Dottore Commercialista?
Der Dottore Commercialista ist ein reglementierter freier Beruf, dessen zentrale Rechtsgrundlage das Gesetzesvertretende Dekret Nr. 139 vom 28. Juni 2005 ist. Wer sich so nennen darf, hat einen anspruchsvollen Ausbildungsweg hinter sich:
ein Masterstudium (Laurea Magistrale) in Wirtschaftswissenschaften,
ein 18-monatiges Pflichtpraktikum in einer Kanzlei (früher waren es sogar 36 Monate)
das Bestehen des italienischen Staatsexamens (Esame di Stato),
die Eintragung in die Sektion A des Berufsregisters bei der örtlichen Kammer (Ordine dei Dottori Commercialisti e degli Esperti Contabili).
Nach der Zulassung gelten laufende Pflichten: regelmäßige Fortbildung, Einhaltung der Berufsordnung und eine Berufshaftpflichtversicherung. Die Kammer überwacht diese Pflichten und kann Verstöße bis hin zum Ausschluss ahnden. Die unbefugte Ausübung eines reglementierten Berufs ist in Italien nach Art. 348 des Strafgesetzbuchs (Codice Penale) strafbar.
Gut zu wissen: Die gesetzliche Abschlussprüfung (Revisione Legale) erfordert zusätzlich die Eintragung in ein eigenes Register beim italienischen Wirtschafts- und Finanzministerium. Nicht jeder Dottore Commercialista ist also automatisch auch Abschlussprüfer.
Ausnahme Südtirol
In Südtirol dürfen Dottori Commercialisti aufgrund der Zweisprachigkeit im Deutschen die Bezeichnung „Steuerberater“ führen. In allen anderen Regionen – auch in der Toskana – tragen sie ausschließlich ihren italienischen Titel, selbst wenn sie fließend Deutsch sprechen und auf deutsche Mandanten spezialisiert sind.
Wofür brauchen Deutsche in Italien einen Dottore Commercialista?
Am häufigsten wenden sich deutsche Mandanten an uns, wenn es um eine Immobilie in Italien geht. Hier entscheiden oft die ersten Schritte darüber, ob später Steuern, Bußgelder oder Streit mit dem Finanzamt drohen.
Vor dem Immobilienkauf: Steuernummer (Codice Fiscale), Registersteuer oder Mehrwertsteuer, Erstwohnsitz-Vergünstigungen und die Wahl der richtigen Kaufstruktur. Einen Überblick gibt unsere Steuer-Checkliste für den Immobilienkauf in Italien; wie Sie die Steuernummer erhalten, steht im Beitrag zum Codice Fiscale.
Kauf bei einer Immobilienauktion: Gerichtliche Versteigerungen folgen eigenen Regeln – mehr dazu unter Immobilienauktionen in Italien.
Nach dem Kauf: Grundsteuer IMU, italienische Steuererklärung für Nicht-Ansässige und die steuerliche Behandlung des Ferienhauses.
Vermietung: Pauschalbesteuerung (Cedolare Secca), Kurzzeitvermietung und Meldepflichten – siehe Ferienhaus in Italien vermieten.
Umzug nach Italien: steuerliche Ansässigkeit, Anmeldung und Folgen für Renten und Kapitalerträge – siehe Wohnsitz nach Italien verlegen und IVIE und IVAFE.
Erbschaft und Schenkung: Übertragung italienischer Immobilien innerhalb der Familie und Koordinierung mit den deutschen Steuerfolgen.
Grenzüberschreitende Einkünfte: Anwendung des Doppelbesteuerungsabkommens Deutschland–Italien.
Typische Fehler bei der Suche nach einem Steuerberater in Italien
Erst nach dem Kauf beraten lassen. Viele steuerliche Weichen werden im Kaufvertrag gestellt. Was beim Notar unterschrieben ist, lässt sich später oft nicht mehr korrigieren.
Sich allein auf Makler oder Notar verlassen. Der Notar erhebt die Steuern beim Kauf, betreut aber keine laufenden Pflichten wie IMU, Vermietung oder Steuererklärung. Der Makler ist kein Steuerexperte.
Einen „consulente fiscale“ ohne Eintragung beauftragen. Die Bezeichnung ist nicht geschützt. Im Schadensfall fehlen dann oft Qualifikation, Kammeraufsicht und Haftpflichtversicherung.
Dokumente unterschreiben, die man nicht versteht. Behördenschreiben, Vollmachten und Verträge sind auf Italienisch. Schon kleine Missverständnisse können teuer werden.
Den deutschen Steuerberater allein mit Italien beauftragen. Er kennt das deutsche Recht, aber in der Regel nicht die italienischen Fristen, Formulare und Verfahren.
Kann ein deutscher Steuerberater meine italienische Steuererklärung machen?
In der Praxis meist nicht. Italienische Steuererklärungen folgen eigenen Formularen und Fristen und werden elektronisch an die Agenzia delle Entrate übermittelt – in der Regel über zugelassene italienische Berater. Ein deutscher Steuerberater verfügt normalerweise weder über diesen Zugang noch über die Erfahrung mit dem italienischen Verfahren.
Die beste Lösung ist deshalb die Zusammenarbeit: Der Dottore Commercialista kümmert sich um die italienische Seite, Ihr deutscher Steuerberater um die deutsche. Entscheidend ist, dass beide sich fachlich und sprachlich abstimmen können – etwa bei der Anrechnung italienischer Steuern in Deutschland oder bei der Frage, in welchem Land Sie steuerlich ansässig sind. Ein deutschsprachiger Dottore Commercialista kann diese Abstimmung direkt und ohne Übersetzer führen.
So prüfen Sie, ob Ihr Berater zugelassen ist
Eintragung prüfen: Jeder Dottore Commercialista ist im Berufsregister seiner Kammer eingetragen. Die Suche ist öffentlich – über das nationale Register auf der Website des Consiglio Nazionale dei Dottori Commercialisti oder über die Website der örtlichen Kammer.
Sektion beachten: Sektion A steht für den Dottore Commercialista, Sektion B für den Esperto Contabile mit eingeschränktem Tätigkeitsbereich.
Sprache testen: Ein kurzes Kennenlerngespräch zeigt, ob komplexe Fragen wirklich auf Deutsch geklärt werden können.
Erfahrung erfragen: Arbeitet der Berater regelmäßig mit deutschen Mandanten und mit Immobilien in Italien?
Transparenz gehört dazu: Wir sind beim Ordine dei Dottori Commercialisti e degli Esperti Contabili di Pistoia in Sektion A unter der Nr. 550 eingetragen – hier überprüfbar.
Häufige Fragen
Gibt es deutsche Steuerberater in Italien? Außerhalb Südtirols gibt es keinen Beruf mit dieser Bezeichnung. Es gibt jedoch deutschsprachige Dottori Commercialisti, die auf deutsche Mandanten spezialisiert sind.
Wie heißt Steuerberater auf Italienisch? Wörtlich „consulente fiscale“. Der qualifizierte Ansprechpartner ist aber der Dottore Commercialista, kurz „commercialista“.
Brauche ich einen Dottore Commercialista, wenn ich nur ein Ferienhaus besitze? Oft ja. Auch ohne Vermietung können IMU und, je nach Situation, eine italienische Steuererklärung anfallen. Bei Vermietung kommen weitere Pflichten hinzu.
Kann die Beratung auch online erfolgen? Ja. Die Zusammenarbeit funktioniert weitgehend digital, unabhängig davon, in welcher Region Italiens Ihre Immobilie liegt.
Ihr deutschsprachiger Ansprechpartner in der Toskana
Unsere Kanzlei in Pistoia betreut deutschsprachige Mandanten in allen Fragen des italienischen Steuer- und Wirtschaftsrechts, mit besonderem Schwerpunkt auf Immobilien. Die Kanzlei ist außerdem Teil von Sinergo Professionisti, einem interdisziplinären Netzwerk aus Dottori Commercialisti, Avvocati und Consulenti del Lavoro, das direkt in der Kanzlei vertreten ist. So lassen sich auch Fragen, die über das Steuerrecht hinausgehen – etwa zu Verträgen, Erbschaften, Streitigkeiten oder Personal –, im italienischen Recht aus einer Hand klären, mit einem deutschsprachigen Ansprechpartner als Bindeglied.
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Hinweis: Dieser Beitrag dient nur zu Informationszwecken und ersetzt keine individuelle Beratung. Wir beraten ausschließlich im italienischen Steuer- und Wirtschaftsrecht und erbringen keine Steuerberatung nach deutschem Recht.



